Roman Burlaka

Gedanken

Sportwagen oder Fahrrad

Jedes Mal, wenn ich in meinem Auto irgendwohin fahre und Menschen auf Fahrrädern sehe, fühle ich mich neidisch. In diesem Moment möchte ich mein Auto abstellen und auf das Fahrrad umsteigen. Ich würde gerne die Möglichkeit, Fahrrad zu fahren, gegen die Notwendigkeit, Auto zu fahren, tauschen.

Das war aber nicht immer so.

Wie viele andere habe auch ich früher von Autos geträumt. Wir Jungs haben mit Begeisterung die verschiedenen Modelle beobachtet, uns informiert, recherchiert und die Fortschritte in der Autoindustrie verfolgt. Von dem Auto, das ich heute fahre, habe ich damals nicht einmal zu träumen gewagt.

Und trotzdem fühlt sich das Ganze heute anders an.

Ich habe nicht das Gefühl, dass mir diese Dinge – Autos, Immobilien und Ähnliches – wirklich etwas geben. Ganz im Gegenteil. Sie nehmen mir etwas. Etwas Wichtiges, das ich früher wenig geschätzt habe: Zeit.

Zeit, von der ich heute wesentlich weniger habe und die ich wahrscheinlich genau deshalb immer mehr zu schätzen beginne.

Plötzlich gewinnen einfache Dinge wieder an Bedeutung. Ein banaler, normaler Schlaf. Eine lange Tour mit dem Fahrrad. Ein Spaziergang. Wandern in den Bergen. Freizeit mit der Familie, mit den Kindern, mit den Enkelkindern.

All diese Dinge sind mir heute viel wichtiger geworden als die Kisten, die so viel Geld kosten und uns gleichzeitig so viel Freiheit nehmen.

Das klingt vielleicht paradox. Aber überlegen Sie einmal.

Ein Auto muss man zunächst teuer kaufen. Dann muss man es regelmäßig warten lassen – nach den Vorschriften, die der Hersteller vorgibt. Man muss es tanken oder laden. Regelmäßig die Reifen wechseln. Daran denken, wo man es parkt. Darauf achten, dass nichts kaputtgeht. Es versichern. Hoffen, dass es niemand klaut oder beim Einkaufen auf dem Parkplatz zerkratzt, was leider regelmäßig passiert.

Und plötzlich zieht dieses Auto, von dem man einmal geträumt hat, einen ganzen Haufen Dinge nach sich, um die man sich vorher überhaupt nicht kümmern musste.

Aus diesem Grund träume ich heute davon, kein Auto mehr haben zu müssen. Darauf verzichten zu können. Denn damit könnte ich einen ganzen Haufen Sorgen loswerden und diese Zeit in viel wichtigere Dinge investieren.

Und wie geht es Ihnen?

Was würden Sie bevorzugen: einen Sportwagen oder ein gutes Fahrrad?